Steine als fortwährendes Gebet

China

Im tibetischen Hochland werden Strassen, Dörfer und Klöster von Manisteinen gesäumt. Diese mit Mantras oder Gebeten verzierten Steine sind Ausdruck einer besonderen Art, die Welt zu bewohnen. Die Spiritualität ist hier so stark, dass sie sogar die Landschaft verändert. In der Provinz Qinghai im Nordwesten Chinas sind Manisteine allgegenwärtig. Sie säumen die Strassen und die vom Wind gepeitschten Pässe oder türmen sich an Ortseingängen zu Steinhaufen auf. Passanten, die sich ihnen nähern, verlangsamen ihren Schritt, flüstern einige nahezu unhörbare Worte oder drehen an einer Gebetsmühle. Alle umkreisen die Steinhaufen in derselben Richtung, so als würden sie einer unsichtbaren Regel folgen. In mehreren Ortschaften wie Yushu oder Xinzhai prägen die Steine die Landschaft nicht nur, sondern gestalten sie sogar. Sie bilden Mauern, Passagen und bisweilen wahre Gänge, die sich bis zum Horizont erstrecken.

Text und Fotos: Laurence Chellali

Ausgabe 254
August - September 2026

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