Indien
Im Süden Rajasthans gibt es eine Region, in der Wildtiere und Menschen noch immer in friedlicher Koexistenz leben. Jawai beherbergt die grösste jemals beobachtete Leopardenpopulation. Umso erstaunlicher ist es, dass sich die Raubkatzen seit jeher ihr Revier in Einklang mit dem halbnomadischen Hirtenvolk der Rabari teilen. Während der Gott Shiva am Ufer eines Sees am Berg Kailash im Himalaya meditierte, formte seine Gefährtin Parvati Tiere aus Lehm. Sie bat ihren Mann, den Tieren Leben einzuhauchen. Eines von ihnen hatte ein fünftes Bein, das unter seinem Bauch herabhing. Shiva schob es nach oben und schuf so einen Buckel auf dem Rücken des Tieres. So entstand das Dromedar. Befreit von dem nutzlosen Anhängsel, floh es in die Berge und wurde unbeherrschbar. Da schuf Shiva Sambad, den ersten Rabari in der hinduistischen Mythologie, um sich des Tieres anzunehmen.
Texte und Fotos: Isabelle Coulon
